Was erwartet ihr euch eigentlich vom Zusammenleben mit eurem Hund?

 

Ich habe mir diese Frage recht früh gestellt. Nämlich mit 14 Jahren, als ich mit  Jimmy, meinem kleinen, schwarzen Cockerspaniel, voller Vorfreude ein Hundetraining startete und gleich nach der ersten Stunde - wer von euch schon vor 20 Jahren in der Hundeszene unterwegs war, ahnt, was jetzt kommt -  völlig fertig vom Platz ging.

 

Ich hatte mir etwas ganz anderes unter unserem Training vorgestellt. Was, konnte ich als Jugendliche noch nicht so genau sagen. Klar war nur, dass es nichts zu tun hatte mit dem erlebten Drill, den vorgeschriebenen Leinenrucks, meinem Frust und dem plötzlich bohrenden Zweifel, ob mein Hund und ich je "gut" werden würden.

 

Nach dieser Erfahrung entschied ich mich, die Kette ad acta zu legen und auf ein kesses violettes Brustgeschirr umzusteigen. Der Trainer schüttelte beim nächsten Mal nur seinen Kopf und meinte, dass aus „dem nix Gscheits" werden wird. Doch er irrte sich gewaltig. Jimmy war ein wundervoller, entspannter Familienhund, der überall mit uns unterwegs war. Egal ob in den Bergen, in der Stadt oder in Italien am Strand – Jimmy war immer mit dabei und das voller Begeisterung bis ins hohe Alter.

 

2013 kam dann Chelsea in mein Leben getapselt. Ein entzückender Goldiwelpe mit  allen großartigen Retrieveranlagen, die man sich nur vorstellen kann. Diese kluge, interessierte Hündin nicht zu fördern, wäre sträflich gewesen. Also habe ich mich intensiv mit den verschiedensten Beschäftigungsmöglichkeiten auseinandergesetzt. Am wichtigsten jedoch war mir - das hatte ich mit Jimmy gelernt -  Chelsea solche Lernerfahrungen zu ermöglichen, dass sie sich in unserem Familienalltag, in neuen Situationen und in Begegnungen mit Menschen und Artgenossen wohl und sicher fühlt. Dieser Zugang hat eine innige Beziehung zwischen Chelsea und mir entstehen lassen, wie zuvor schon mit Jimmy.

 

Ich kann euch nur raten, lasst euch von niemandem sagen, was euer Hund können muss, wie euer Hund sein muss oder dass es nur einen richtigen Weg in der Erziehung oder Ausbildung gibt. Jeder Mensch, jeder Hund und jedes Mensch-Hund-Team ist individuell. Was für die einen stimmt, muss für andere Teams deshalb noch lange nicht passen.

 

Bleibt also stets kritisch und spürt in euch hinein, ob ihr euch mit den Trainingszielen, den Methoden, dem Lernklima usw. wohlfühlt. Legt euer Hauptaugenmerk beim Training nicht auf  "Er hört immer besser", "Er wird immer braver", "Er kann schon dieses und jenes" etc., sondern darauf, ob ihr sagen könnt "Wir verstehen einander immer besser". Dann sind gute Trainingsergebnisse ein erfreuliches Nebenprodukt von Beziehungsarbeit.

 

Schwerpunkte: Sozialisierung, Beschäftigungsmöglichkeiten und Alltagserziehung